06.03.2018   |   Germany

File & Bogen

Formatio dringt mit HOMAG-Anlagen in neue Dimensionen vor.

Ein Artikel des Fachmagazins MDF, Ausgabe 09/2017.

Die in Lemgo ansässige Formatio Einrichtungen GmbH & Co. KG ist seit ihrer Gründung vor 13 Jahren auf den individuellen Ladenbau spezialisiert. Das Geschäftsmodell dieses Unternehmens besteht darin, nicht im direkten Auftrag von Ladenbesitzern und Handelsunternehmen tätig zu werden, sondern als Subunternehmer für zahlreiche namhafte Ladenbauunternehmen zu arbeiten. Dabei liefert Formatio bei Weitem nicht nur einzelne Komponenten und Bauteile zu. Vielmehr werden die jeweiligen bundes- und europaweiten Ladenbau-Projekte von dem Spezialisten aus Ostwestfalen - Lippe komplett von A bis Z abgewickelt. Das Leistungsspektrum erstreckt sich somit von der Erstellung der Konstruktionszeichnungen über die Bauteilefertigung im eigenen Haus und die Beschaffung sämtlicher weiterer Komponenten (Metall, Glas, Licht, Multimedia etc.) bis zur schlüsselfertigen Montage am Bestimmungsort.

Um den immer wieder neuen Herausforderungen innerhalb des individuellen Ladenbaus technologisch adäquat sowie mit der notwendigen Wirtschaftlichkeit begegnen zu können, ist auch Formatio auf einen entsprechend gut ausgestatteten Maschinenpark angewiesen. Im Zuge seiner Gründung hatte der Ladenbauer von einem insolventen Mitbewerber die Fertigungshallen samt Homag-Maschinenpark übernehmen können. Seither ist das Unternehmen diesem umfassend aufgestellten Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen treu geblieben. Die damals übernommenen Maschinen wurden im Laufe der Zeit sukzessive durch neue ersetzt, bzw. weitere ergänzt. Heute sind folgende Maschinen im Einsatz: eine Plattenaufteilanlage „Holzma HPL 380 43/43“ (Baujahr 2008), zwei Kantenanleimmaschinen „Brandt KDF 891“ (2010) mit Werkstückrückführung „Ligmatech ZHR 05“ sowie eine weitere Kantenanleimmaschine, die Formatio von der nur etwa 1 km entfernt ansässige Homag Kantentechnik GmbH (vormals Brandt Kantentechnik GmbH) zu Testzwecken zur Verfügung gestellt bekommt und die regelmäßig ausgetauscht wird. Als wichtigste Maschinen der Fertigung bezeichnet das Unternehmen seine insgesamt vier CNC-Bearbeitungszentren. Im Zuge des kontinuierlichen Wachstums wurden im Laufe der Jahre ein „Weeke Venture 1M“ (2007), ein „Weeke Venture 230 XXL“ (2013) und ein „Homag Venture 16L BOF 211“ (2013) angeschafft. die einzige Maschine, die noch aus der damaligen Übernahme stammt, ist ein „Homag BAZ 20“ aus dem Jahr 1997. Trotz seines Alters leistet es noch immer gute Dienste und soll für bestimmte Aufgaben auch in den kommenden Jahren weiter genutzt werden. Ein wichtiges Argument dafür, sich immer wieder für Bearbeitungszentren aus dem Hause Homag zu entscheiden, war, dass man bei allen Maschinen mit der konzernweit einheitlichen Programmiersprache „wood WOP“ arbeiten kann.

Mit Software-Erweiterung zu neuen Aufgabenfeldern

Aufgrund der über die Jahre erarbeiteten Reputation hinsichtlich der Realisierung selbst sehr ausgefallener und komplexer Konstruktionen, erhält Formatio auch immer wieder Anfragen zu Projekten abseits des Innenausbaus von Läden und anderen Objekten. So hat das mittlerweile 80 Mitarbeiter zählende Unternehmen unlängst vom Luxemburger Ministerium für Bildung, Kinder und Jugend den Auftrag für die Realisierung eines „ausladenden“, in Beton gegossenen, Kunstwerkes für den öffentlichen Raum erhalten. Der von dem Luxemburger Künstler Gilles Pegel stammende Entwurf basiert auf einer

sogenannten Hemihelix, einer durch die Änderung der Drehrichtung (Chiralität) entstandenen Anomalie einer ungestörten Helix (zylindrische Spirale). Die beschriebene Optik dürfte (den Älteren) von den spiralig gewundenen Telefonkabeln bekannt sein, bei denen in Folge der Nutzung bisweilen derartige gegenläufige Verwindungen auftreten. Das skulpturale Kunstwerk zeigt sich als eine solche liegende Spirale, von der jeweils nur bestimmte Bogenabschnitte sichtbar sind. Somit ergibt sich eine Reihung aus insgesamt 11 Betonbögen mit rechteckigen Querschnitten und konkaven Flächen, welche auf einer vorgelagerten Rasenfläche eines Technischen Gymnasiums des Landes seinen Platz finden werden. Die Spannweite der einzelnen Bögen beträgt zwischen 3 und 8 m, die maximale Höhe liegt bei 3,5 m. Die ordinäre Aufgabe für Formatio bestand darin, die für diese anspruchsvollen Formen notwendigen Betonschalungselemente zu konstruieren und herzustellen. Schnell war klar, dass sich diese Freiformflächen am besten würden realisieren lassen, indem diese in Blöcke aus verleimten MDF-Platten gefräst werden.

Bereits ein Auftrag macht Software-Modul rentabel

Als für diese konkrete Aufgabe grundsätzlich geeignet erwies sich das 5-Achs-Bearbeitungszentrum „Venture 16L BOF 211“. Dieses ist mit einer Fünfachsfrässpindel „Drive5C/+“ ausgestattet, auf die Sägeblätter mit Durchmessern bis 350 mm montiert werden können. Der Tellerwechsler verfügt über 18 Werkzeugplätze, der Bohrkopf über 21 Spindeln (V17/H4/S0/90°). Die maximalen Bearbeitungsmaße dieser Maschine liegen bei 4000 mm x 1550 mm x 200 mm (x,y,z). Um die geforderten Freiformfräsungen vornehmen zu können, hat Formatio die Maschine anlässlich dieses Auftrages mit dem Software-Modul „wood WOP CAM-Plugin Professional“ entsprechend aufgerüstet. Dadurch wird „wood WOP“ zu einem CAD/CAM-System, mit dem dreidimensionale Flächen, je nach Maschinenausstattung, 3-, 4- und 5-achsig interpolierend bearbeitet werden können. Das Modul ermöglicht den Import von 3D-CAD-Daten in den Formaten: DXF, STL, STEP, IGES. Es verfügt über ein CAD-Plugin für die Erzeugung von 3D-Flächen, z. B. durch Querschnitte, Begrenzungen, Rotation oder Extrusion. Die Generierung von Fräsbahnen erfolgt automatisch anhand der Flächen und der verwendeten Werkzeuggeometrie. Für die Flächenbearbeitung stehen folgende CAM-Makros zur Verfügung: 3D-Schruppen mit Restmaterialerkennung, 3D-Schlichten mit unterschiedlichen Frässtrategien, 3D-Umfangsfräsen (flächen- oder kurvenbasiert), 3D-Kurven projizieren und fräsen sowie das Fräsen von Taschen-Inseln mit Restmaterialerkennung.

„Allein dieser Auftrag ist so groß, dass sich die Investition in dieses Software-Modul für uns lohnt“, so Formatio-Geschäftsführer Technik und Finanzen Reinhard Wiege. Die Schalungen für die 11 Betonbögen setzen sich insgesamt aus über 300 freiformgefrästen Einzelmodulen zusammen. Inklusive der Module für die stützenden Unterbauten sind mehr als 650 Einzelbauteile anzufertigen.

Die Implementierung der Software in die Maschinensteuerung erfolgte Anfang August via Internetverbindung von der Homag-Zentrale in Schopfloch aus. Bereits wenige Stunden später waren die ersten Module fertig gefräst. Nach dem Fräsen, Lackieren und passgenauen Montieren sämtlicher Module zu kompletten Schalungen werden die Betonbögen derzeit in einem Betonwerk in Halle (Westfalen) gegossen, um dann mit Tiefladern nach Luxemburg transportiert zu werden. Der Aufbau der in grau-gelbem Sichtbeton ausgeführten Elemente vor Ort soll noch im Oktober stattfinden. Noch während der Fräskopf unermüdlich seine dreidimensionalen Bahnen gezogen hat, hat Wiege bereits darüber sinniert, welch vielfältige neue Möglichkeiten sich für das Unternehmen durch die Anschaffung dieses neuen Software-Moduls ergeben haben.

 Nikolai Krawczyk

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