02.02.2021   |   Rheinbach   |   Deutschland

Ohne Fahrer durch die Fabrik

Drei fahrerlose Transportfahrzeuge düsen im 10.000 qm Werk bei deinSchrank.de umher und transportieren Bauteile ab Zuschnitt bis zur Bekantung.

Es gibt keine Verkettung der Wege. Wir können flexibler mit den Losen arbeiten.

Gisela Cousland, Gründerin und Geschäftsführerin bei Deinschrank.de

Ein Artikel des Fachmagazins INSIDE Wohnen, 01/2021. www.inside-wohnen.de

Vor zwei Jahren stellte der Schwarzwälder Maschinenbauer HOMAG auf der Ligna in Hannover seine TRANSBOT-Technik für fahrerlose Transportsysteme (FTS) vor. Von den Vorteilen hatten die Kunden damals noch wenig Vorstellung. Das hat sich schnell geändert. Auch Gisela Cousland, Gründerin und Geschäftsführerin bei deinSchrank.de, drückt bei ihren fahrerlosen Transportfahrzeugen aufs Gaspedal.

Die autonom fahrenden Transportroboter navigieren frei im Raum. Ohne Fahrer und ohne Schienen. Dabei sind fahrerlose Transportfahrzeuge keineswegs eine Erfindung der letzten Jahre. Als nach dem zweiten Weltkrieg die Produktionen wieder anliefen und die Weltwirtschaft boomte, waren die fahrenden Automaten Teil des realisierten Menschheitstraums, die eigene Arbeit durch Automaten verrichten zu lassen, liest man in einem Fachbuch zum Thema von Günter Ullrich. Bereits 1954 verwendete die Mercury Motor Freight Company eine FTS-Anlage, um Güter von A nach B zu transportieren. In den frühen 1960er Jahren starteten dann die Firmen Jungheinrich und Wagner mit den ersten FTS-Maschinen in Deutschland.

„Die Firma deinSchrank.de hat das größtes unserer drei FTS-Systeme in die Produktion integriert“, sagt Maximilian Held, Produkt Manager Automation bei HOMAG.

Über „Die Vorteile des Einsatzes von fahrerlosen Transportfahrzeugen in der Möbelproduktion“ sprach Held auf der diesjährigen FTS-Branchenveranstaltung am Frauenhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. Wie die meisten Veranstaltungen im Corona-Jahr 2020 musste auch dieses Treffen virtuell stattfinden. Trotz des fehlenden Pausenplausches und Umtrunks am Vorabend hatte das Event über 200 Teilnehmer.

Materialtransporte werden flexibler

Bis heute setzt die Möbelindustrie bei der Verkettung von Maschinen meist auf fest installierte Materialtransporte. Das macht nachträgliche Änderungen der Transportwege teuer. Hier setzt FTS an. Materialtransporte werden einfach flexibler. Für Held ist das die Zukunft: „Firmen treten mittlerweile gezielt an uns heran und suchen nach Lösungen, flexibel und individuell zu produzieren.“ Kunden wünschen sich individuelle Schränke, Küchen und Polstermöbel. Klar, der kleine Preis des Möbels von der Stange zieht immer noch. Es langt ein Blick in die Werbekataloge der großen Filialisten. Trotzdem ist Losgröße 1 neuer Standard. Ist aber mit starren Transportwegen kaum zu bewältigen.

Die Investition in eine FTS-Anlage soll sich nicht nur für die großen Küchenbauer lohnen. Auch für kleinere Firmen gibt es Systeme. Die Range reicht vom „TRANSBOT Basic“ über den „TRANSBOT Advanced“ bis zum „TRANSBOT Expert“. Basic und Advanced lassen sich einfach per Tablet steuern und konfigurieren, zu überschaubaren Kosten. Die Expert-Variante setzt dagegen ein MES-System (Manufacturing Execution System) voraus. Und das bedeutet, sofern das System noch nicht vorhanden ist, hohe Investitionen. Arbeitet ein Betrieb mit einem Zweischicht- System, lohnt sich bereits die Anschaffung des FTS-Systems mit nur einem Fahrzeug. Die fertigt übrigens nicht HOMAG selbst, sondern der Automatisierungstechnik- Spezialist Grenzebach aus Asbach-Bäumenheim im Landkreis Donau-Ries.

deinSchrank.de arbeitet seit Herbst 2018 mit FTS-Fahrzeugen. „Wir waren einer der ersten HOMAG-Kunden, die das neue System installiert hatten“, sagt Gisela Cousland, Mitgründerin und Co-Geschäftsführerin bei deinSchrank.de. Drei fahrerlose Fahrzeuge düsen im 10.000 qm Werk umher und transportieren Bauteile ab Zuschnitt bis zur Bekantung. „Zu Beginn testete jeder Mitarbeiter die Funktionalität der Roboter“, so Cousland. Als Prüfung diente ein Sprung direkt vor die Nase der vollautomatisierten Fahrzeuge. Das Testergebnis überzeugte: „Es kam zu keinem Unfall. Die FTS-Fahrzeuge blieben stehen. Unsere Mitarbeiter haben immer Vorfahrt“, sagt die diplomierte Medienwirtschaftlerin.

FTS-Fahrzeuge erleichtern die Arbeit

Cousland ist in der Geschäftsführung für die Produktion zuständig. Mitgründer Frank Budde verantwortet das Marketing. Die größten Vorteile in FTS sieht Cousland in der einfachen Handhabung. „Der Einstieg ist unfassbar einfach. Klar: Man benötigt eine gute Vorbereitung. Eine gute Karte. Aber das ist kein Hexenwerk. Die besten Fahrten für die Fahrzeuge sind oft die gleichen Wege, die früher die Mitarbeiter zu Fuß zurückgelegt haben.“ Und da kamen vor der Anschaffung der FTS-Anlage einige Kilometer zusammen. „Bis zu 15 Kilometer waren unsere Mitarbeiter pro Tag unterwegs. Und eine Schrankwand wiegt manchmal bis zu 30 Kilogramm. Die kleinen FTS-Fahrzeuge erleichtern die Arbeit und schützen unsere Mitarbeiter vor zu heftiger körperlicher Arbeit“, so Cousland.

Die von Held angesprochene Flexibilität bei kleinen Losgrößen schätzt auch Cousland: „Es gibt keine Verkettung der Wege. Wir können flexibler mit den Losen arbeiten.“ Die Fahrzeuge bewegen sich in der Halle vollautomatisiert. Man bemerke sie kaum. Genau das sei das Gute. „Die FTS erbringen eine Leistung, die nicht wertschöpfend ist. Ihr Job ist einfach der Transport. Und diese Aufgabe erledigen die Fahrzeuge mit Bestnote.“

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