31.01.2022   |   Niederkassel   |   Deutschland

Familiär, aber zeitgemäß

„Kleine“ Automatisierungslösung für Zimmereien.

„Die Maschinen strahlen eine Professionalität aus, die uns positiv von unseren Wettbewerbern abhebt. Wir haben da ein Alleinstellungsmerkmal, das unsere Bauherren begeistert."

Benjamin Stocksiefen, Geschäftsführer Holzbau Stocksiefen GmbH

Ein Artikel aus dem Fachmagazin "Der Zimmermann" Ausgabe 1/2022. Mehr Informationen finden Sie hier.

Auch wenn sie seit Jahren ein kontinuierliches Wachstum im Einfamilienhausbau erlebt, ging es der Holzbau Stocksiefen GmbH bei der Automatisierung ihrer Elementfertigung nicht um eine Erhöhung ihrer Kapazität. Im Fokus standen vielmehr ein besseres Qualitätsmanagement und ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber ihren Wettbewerbern. Eine der tragenden Säulen des handwerklichen Holzbaus sind familiengeführte Unternehmen, zu deren Vorzügen eine überschaubare Größe, eine hohe Flexibilität, große individuelle Spielräume in der Angebotsgestaltung und ein direkter Kontakt der Unternehmensführung zum Kunden gehören. Hinzu kommt ein enges Vertrauensverhältnis, das auf dem guten Namen der Unternehmerfamilie in der Region basiert. Mit dieser Struktur setzt sich der handwerkliche Holzhausbau von Wettbewerbern aus der Industrie ab, was ihm seit drei Jahrzehnten eine stetig wachsende Klientel eingebracht hat. Zur handwerklichen Struktur der betreffenden Unternehmen gehören oft auch klare Grenzen des Wachstums: Man friert die jährliche Zahl der Projekte an einem bestimmten Punkt ein, um in Abgrenzung zur Industrie den engen Kontakt zum Kunden weiterhin zu ermöglichen. Effizienten industriellen Arbeitsweisen stehen auch solche Betriebe dagegen immer offener gegenüber, weshalb in diesem Bereich die Nachfrage nach automatisierten Fertigungslinien schon seit einigen Jahren wächst.  Allerdings sind auch hier die Interessen anders gelagert als in der Industrie: Vielen kleineren Betrieben geht es bei der Automatisierung weniger um eine Steigerung der Kapazität als um Auswege aus dem Personalmangel, ein besseres Qualitätsmanagement oder die Schaffung ergonomischer Arbeitsplätze.

Qualität im Fokus 

Benjamin Stocksiefen hat die Obergrenze für sein Unternehmen bei 20 Häusern oder Aufstockungen im Jahr gezogen: „Derzeit habe ich mich so entschieden, um den Umgang mit unseren Kunden familiär und persönlich zu halten. Die geringe Stückzahl funktioniert außerdem gut mit unserem überschaubaren Team, so dass wir unsere Projekte sauber nacheinander abarbeiten können.“  2007 begann der Zimmermeister nach dem Abitur seine Ausbildung in der Holzbau Stocksiefen GmbH in Niederkassel, die er seit 2017 als Geschäftsführer zusammen mit seinem Vater Heiner Stocksiefen leitet. 1945 als Zimmerei vom Urgroßvater Michael Stocksiefen gegründet, ist das Unternehmen 2005 in den Holzhausbau eingestiegen. Seither hat es in diesem Bereich einen stetigen Zuwachs bis auf etwa 20 Projekte im Jahr verzeichnet, wobei man in Niederkassel neben Wohnhäusern, Anbauten und Aufstockungen weiterhin Zimmereigewerke wie Dachstühle oder Carports übernimmt. Dies mit einem Stamm von 12 Mitarbeitern, von denen fünf im Büro, fünf auf der Baustelle und zwei in der Fertigung eingesetzt werden. Dort arbeitete man bis 2019 manuell. Dann entschieden sich die beiden Geschäftsführer zunächst für die Investition in eine Abbundmaschine. Mit folgenreichem Ergebnis: „Nach Inbetriebnahme der Abbundmaschine haben wir schnell gemerkt, dass die Automatisierung uns eine höhere Qualität bringt“, erinnert sich Benjamin Stocksiefen: „Bei der Elementfertigung beließen wir es dennoch vorerst bei der Investition in zwei Zimmermeistertische von WEINMANN, die unser Budget dank des hohen Selbstbauanteils nicht sehr belasteten.“ Schon 2020 sollte sich das ändern. Damals nahm die Zimmerei erneut Kontakt zu Tobias Klein, Außendienstmitarbeiter bei WEINMANN auf, um den Qualitätsvorteil der automatisierten Fertigung auch in der Elementfertigung zu nutzen. In der Folge besuchten Heiner und Benjamin Stocksiefen den WEINMANN-Standort in Lonsingen und schauten sich Anlagen bei Kunden an. „Da waren wir schnell begeistert“, rekapituliert Benjamin Stocksiefen: „So eine automatisierte Elementfertigung ist zwar eine große Investition, sie bringt uns aber im Gegenzug eine höhere Qualität und mehr Sicherheit, was uns aufwändige Nacharbeiten auf der Baustelle, also unnötige Mehrkosten erspart. Aus heutiger Sicht möchte ich sie deshalb auch bei unserer Betriebsgröße nicht mehr missen.“

Fertigungslinie nach Maß 

Angesichts einer Stückzahl von 20 Häusern im Jahr entschieden sich Benjamin und Heiner Stocksiefen für die „Zimmermeisterbrücke“ WALLTEQ M-120 von WEINMANN. Eine Multifunktionsbrücke, die bei geringen Investitionskosten und wenig Platzbedarf die vollautomatische Fertigung von Wand-, Dach- und Deckenelementen in Losgröße 1 ermöglicht und problemlos mit den vorhandenen Zimmermeistertischen kombinierbar war. Laut WEINMANN rechnet sich eine Investition in die Zimmermeisterbrücke ab einer Stückzahl von 5 Häusern im Jahr – hochinteressant für die Zimmerei, die mit der Modernisierung ja nicht eine Erhöhung der Kapazität, sondern eine Optimierung des Qualitätsmanagements im Blick hatte. Zusätzlich zum standardmäßigen Fräsaggregat und den beiden Aufnahmen für Klammer- oder Nagelgeräte orderte man in Niederkassel auch die mitfahrende Staubabsaugung, die als optionale Ausstattung angeboten wird. Gewendet werden die Elemente nach wie vor per Hallenkran, die Dämmung wird mit einer manuellen Einblasplatte von Isocell in die Elemente eingebracht.

Fliegender Wechsel

Dass man bei Stocksiefen auf der Suche nach der neuen Fertigungslösung ausschließlich WEINMANN als Markführer kontaktiert hatte, erwies sich bei der Beratung als richtige Entscheidung. „Unsere Halle ist eher eng und niedrig, weshalb es nicht ganz einfach war, die neue Technik zu integrieren. Mit der Unterstützung des zuständigen WEINMANN-Beraters Tobias Klein hat das aber sehr gut funktioniert. Auch in punkto Materiallogistik und Workflow fühlten wir uns sehr gut beraten.“ Der Produktionsstart ging nach dieser gründlichen Vorarbeit und einer coronabedingten Indoor-Schulung durch WEINMANN-Mitarbeiter weitgehend ruckelfrei vonstatten. Wenn es anfangs einmal hakte, lag das in der Regel an Makros aus der Arbeitsvorbereitung. Die bezieht man in Niederkassel von einem externen Dienstleister, musste sich um diesen Themenkomplex also nur indirekt kümmern: „Wir gaben bei Pannen nur eine Rückmeldung, und dann wurde der Fehler sofort korrigiert. So hat sich der laufende Betrieb zügig eingespielt. Die Produktion lief annähernd nahtlos weiter.“

Produktivität verdoppelt 

Seit Inbetriebnahme bietet die Fertigungslinie natürlich dennoch das Potential zu weiterem Wachstum, momentan ablesbar an der höheren Produktivität: „Während wir früher etwa 25 m2 Elemente am Tag produziert haben, schaffen wir heute knapp 50 m2“, erläutert Benjamin Stocksiefen. „Wir haben unsere Kapazität also fast verdoppelt.  Das gibt uns heute schon die Möglichkeit, schnell zu reagieren und nach oben zu skalieren, etwa wenn mal ein Auftrag dazwischengeschoben werden soll. Je nach Entwicklung des Unternehmens in den nächsten Jahren könnte ich mir auch eine jährliche Stückzahl von 30-40 plus vorstellen. Hier bietet uns die neue Technik also die Option für künftiges Wachstum, das ist aber kein Ziel, das wir heute ins Auge fassen.“ Bliebe die Frage: „Was macht das Unternehmen mit der gewonnenen Zeit?“ Auch darauf hat Benjamin Stocksiefen eine schlüssoge Antwort: Wir machen ja nicht nur Häuser und Aufstockungen. Wenn wir in diesem Bereich die Produktivität erhöhen und die Stückzahlen einfrieren, bleiben uns mehr Mitarbeiterstunden für andere Tätigkeiten wie die Montage von Dachstühlen und Carports oder die Fertigung von Bauteilen für Zimmererkollegen.“ Will heißen, man macht durch die Automatisierung mehr Umsatz, ohne die Haus-stückzahl zu erhöhen. Außerdem sind die Mitarbeiter bei Holzbau Stocksiefen sehr flexibel unterwegs, bereiten zum Beispiel Baustellen vor, beliefern sie mit Material oder veredeln Hölzer vor der Montage. Auch die beiden Mitarbeiter aus der Fertigung helfen auf der Baustelle aus, wenn dort Not am Mann ist. Dafür hat man in Niederkassel dank der Automatisierung deutlich mehr Luft: ”Da die Maschinen bei uns nicht mit maximalem Durchsatz laufen, ist es kein Problem, wenn ein Mitarbeiter aus der Fertigung parallel den Abbund und die Elementfertigung bedient, während der andere einen Tag lang auf der Baustelle mitarbeitet.“ Weshalb das Unternehmen von seiner Investition den Zusatznutzen hat, dass es heute seine Mitarbeiter aus der Produktion bei gleicher Personalstärke effizienter und flexibler einsetzen kann. Letztere stehen im Übrigen voll hinter der Automatisierung, weil sie das Unternehmen voranbringt und nicht zuletzt ihre Arbeitsplätze ergonomischer  macht. „Sie müssen nicht mehr auf den Knien rumrutschen und gebückt Klammern schießen,“ erläutert Benjamin Stocksiefen, „und sie haben jetzt die Möglichkeit am Computer zuarbeiten, was in unserem jungen Team auf sehr viel Gegenliebe stößt. So trägt die Automatisierung in der derzeit angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt auch zur Mitarbeiterbindung bei.“

Hausbau als Erlebnis

Außerdem ist die neue Technik ein mächtiges Marketinginstrument: „Wenn Bauherren bei uns in die Beratung kommen, geht es sehr entspannt und familiär zu. Am Ende gehen wir natürlich auch gemeinsam in die Halle.“ Und da macht die maschinelle Ausstattung den entscheidenden Unterschied: „Die Maschinen strahlen eine Professionalität aus, die uns positiv von unseren Wettbewerbern abhebt. Wir haben da ein Alleinstellungsmerkmal, das unsere Bauherren begeistert. Wenn sie dann noch mit der Thermoskanne und Butterbrot vorbeikommen, um bei der Fertigung ihres eigenen Hauses dabei zu sein, wenn sie vielleicht noch die Hölzer für die Fassade selbst streichen und dazu Freunde oder Verwandte mitbringen, dann ist das ein Familienevent, der die Bindung zu ihrem Haus vertieft. Und nicht zuletzt einer der Faktoren, die den Hausbau mit der Holzbau Stocksiefen GmbH zu einem begeisternden Erlebnis machen.“
 

Text: Dr. Joachim Mohr
 

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Holzbau Stocksiefen GmbH

Die Holzbau Stocksiefen GmbH wurde 1945 von Michael Stocksiefen als Zimmerei gegründet. 2005 ist das Unternehmen in den Holzbau eingestiegen und seit 2017 ist Benjamin Stocksiefen gemeinsam mit seinem Vater Heiner Stocksiefen Geschäftsführer. Mit den insgesamt 12 Mitarbeitern übernimmt das Unternehmen neben Wohnhäusern, Anbauten und Aufstockungen weiterhin Zimmereigewerke wie Dachstühle oder Carports.

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