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Präsentation von Weltneuheiten auf der WEINMANN Hausmess

Handwerklich orientierte Holzbaubetriebe und internationales Publikum informieren sich beim WEINMANN-Treff in St. Johann

  • WEINMANN Weltneuheit: Multifunktionsbrücke WMS 150 blowTEC

    Weltneuheit: Multifunktionsbrücke WMS 150 blowTEC

Beim „WEINMANN-Treff“, der jährlichen Hausmesse des Holzbau Maschinenherstellers, ging es diesmal etwas enger zu. Wie in den Jahren fand das Treffen wieder in der Montagehalle in St. Johann-Lonsingen (Schwäbische Alb, Lkr. Reutlingen) statt, abgerundet durch kleine Stände von 20 Mitausstellern und Vorträge im Konferenzraum. Die Firma WEINMANN (zu HOMAG) hatte diesmal die handwerklich orientierten Holzbaubetriebe im Blick und zählte nach eigenen Angaben an den zwei Hausmessetagen (17. und 18. November) rund 250 Gäste. Die kamen nicht nur aus dem deutschsprachigen Raum, sondern u. a. auch aus Nordeuropa und dem Baltikum, aus Polen und auch aus Großbritannien. Gerade in diesem Markt ziehe der Holzbau nach einer Phase mit Stagnation derzeit spürbar an, wie Geschäftsführer Hansbert Ott berichtete.

Die Beteiligung an der Hausmesse in diesem Jahr war so etwas wie ein Spiegel der wirtschaftlichen Lage im Holzbau. Viele Unternehmer wollten sich in Lonsingen informieren, wie man die eigene Produktion rationeller gestalten könnte. Andere hatten ihre Aufträge bereits platziert. Zwei große Aufträge für Anlagen, die zwei deutsche Fertighaushersteller mit industrieller Fertigung (Baufritz und Bien-Zenker) bei der WEINMANN Holzbausystemtechnik GmbH in Auftrag gegeben hatten, befanden sich parallel zum „Treff“ in der Endmontage und sorgten dafür, dass es in der Montagehalle des Herstellers etwas enger zuging als sonst. Da war z. B. eine automatische Riegelwerksstation zu besichtigen, die von einem Sechs-Achs-Roboter (von HOMAG Automation) beschickt wird. Diese Anlage wird über Weihnachten in Schlüchtern installiert und soll ab Januar die Produktion von 700 Fertighäusern pro Schicht und Jahr ermöglichen. Mehrere große Fertighaushersteller hätten die Gunst der Stunde (Zinsen, Nachfrage nach Wohnraum, Mangel an günstigen Fachkräften im ländlichen Raum) genutzt, um ihre technisch in die Jahre gekommenen Produktionsanlagen durch aktuelle, leistungsfähigere und stärker automatisierte Maschinen zu ersetzen, berichtete WEINMANN-Geschäftsführer Hansbert Ott. Grund seien aber auch in den letzten 20 Jahren gewandelte Anforderungen an die Anlagen, wobei die Standard-Wandhöhen von 2,80 auf 3,20 m gewachsen sind und größere Elemente als früher über die Straße transportiert werden.
Dennoch fand sich natürlich Platz zur Demonstration der Maschinen, die bei WEINMANN für den handwerklich orientierten Abbund und Holzhausbau besonders wichtig sind: die „WBS 140“ und die „WBZ 160“.
Hansbert Ott betonte beim WEINMANN-Treff die feste Absicht des Maschinenherstellers, das breite Segment der zahlreichen Handwerksbetriebe unterhalb der industriell fertigenden Holzbauunternehmen nicht zu vernachlässigen – im Gegenteil, man will die Produktpalette im kommenden Jahr ausbauen und nach unten „in einen preislich für Zimmerer sehr interessanten Bereich“ ausweiten. Der Name WEINMANN sei zwar bei vielen Kunden mit dem eines Industriezulieferers verbunden, was ja auch der Fall ist, aber eben nicht ausschließlich. So will WEINMANN im März kommenden Jahres noch vor der „Ligna“ eine sog. „Zimmermeisterbrücke“ vorstellen. Diese deutlich leichtere, einfachere Version der (für kleinere Holzbaubetriebe zu teuren) Multifunktionsbrücke soll als Herstellerversion den großen Markt der Betriebe im mittleren und unteren Bereich der Pyramide der Holzbauunternehmen bedienen. Dem Zimmerer oder auch dem Abbundzentrum soll mit der Brücke („WMS 060“), die zwei Befestigungsgeräte (für Nägel, Klammern) bekommt und alle wichtigen Bearbeitungsschritte ausführen kann, der Einstieg in den Elementebau bei einem interessanten Preis-Leistungs-Verhältnis ermöglicht werden. Beim WEINMANN-Treff war die Brücke aber erst halbfertig zu sehen. Aufmerksamkeit beim WEINMANN-Treff weckte auch die Vorstellung der Einblasplatte für loses Dämmmaterial (Zellstoff-, Holzfaser-, oder Mineralwolle- Ballenware) zur gleichmäßigen, staubfreien, automatisierten und vor allem dokumentierbaren Befüllung von Rahmenbaugefachen. Diese Platte wurde als Anbauaggregat („Blowtec“) an einer „WMS 150“-Multifunktionsbrücke gezeigt, die an einen Kunden in Blumberg (bei Donaueschingen) ausgeliefert wird. Neben den klassischen Arbeiten im Elementebau (Befestigung und Bearbeitung der Beplankung) kann er mit derselben Anlage auch die Dämmung einbringen, was Platz in der Produktionshalle spart. Die Anlage soll Ende März beim Kunden besichtigt werden können.
Was heute auf Hausmessen gerne gemacht wird, ist der Vortrag von Erfahrungsberichten von Kollegen an Kollegen. Einen solchen Bericht lieferte in Lonsingen u. a. Hans Nehr, einer der beiden Inhaber von Nehr Holzbau GbR in Oberhaid bei Bamberg (Franken), ab. Nehr berichtete von sehr guter Holzbaukonjunktur in seiner Region und auch über die positiven Erfahrungen mit den Maschinen und die Unterstützung, die seine Firma von WEINMANN bekam, für die er sich in Lonsingen erkenntlich zeigte und warb. Nehrs Ausführungen zur nicht immer ganz problemfreien Entwicklung des eigenen Familienbetriebs (gegr. 1905, heute 15 Mitarbeiter) von einer klassischen Zimmerei mit Handabbund zum modernen Holzbau- und Abbundbetrieb konnten dabei Denkanstöße liefern. An den Anfang stellte Nehr den Rat, angesichts der hohen Zahl bestehender Zimmereibetriebe eine Abwägung zu stellen, in welche Richtung man sich als Unternehmer entwickeln möchte: Weitermachen wie bisher mit Handabbund, evtl. die Betriebsaufgabe prüfen oder künftig nur noch Montagen mit Fremdabbund ausführen? Oder will man die Eigenständigkeit als Betrieb erhalten mit eigenen Maschinen, eventuell mit dem Angebot von Lohnabbund für Kollegen ohne Abbundanlage? Das waren die Alternativen. Vor dem Weitermachen bzw. der Investition gelte es auch, die Voraussetzungen zu prüfen, ob man eine ausreichend große Halle und ein Lager zur Verfügung habe bzw. pachten könne, ob Strom und Druckluft ausreichten und eine Absaugung und ein Gabelstapler vorhanden sind. Das alles koste viel Geld, ebenso die Anschaffung von Programmen (Software), die mit der maschinellen Fertigung verbunden sind.
Nehr berichtete anschaulich über die eigenen Voraussetzungen, Fehler und Schlüsse daraus: das waren vor allem ein zu kleines Grundstück im Mischgebiet, noch dazu viel zu dicht an der Wohnbebauung, dann der Bau einer zu kleinen und zu niedrigen Halle (1988), mit der es neue Probleme gab, als KVH Stangenware marktüblich wurde; die Zeit mit einem selbst programmierten Abbundprogramm auf einem „C 64“ und mit einer gebraucht gekauften „P 8“, die er nach eigener Aussage im Prinzip viel zu lange in Betrieb hielt, bis sie nur noch Schrottwert hatte, war nicht besonders produktiv, aber lehrreich. Aber Aufträge waren immer genug da, sodass es bei Nehr weitergehen konnte.
Mit dem Bau einer für die vorgesehenen neuen (WEINMANN-)Maschinen und die heutigen Holzwerkstoffdimensionen angepassten Halle wurde es besser, auch weil in der Zwischenzeit Maschinentechnik und Digitalisierung entscheidende Schritte vorangekommen waren.
Für kritische Nachfragen sorgte Nehrs relativ schneller Umstieg von einer „WBS 140“, die er 2013 bei WEINMANN gekauft hatte, auf eine „WBZ 160“ in diesem Jahr. Nach drei Jahren hatte sich gezeigt, dass die WBS als Einstiegsmaschine für die Auftragslage bei Nehr zu langsam war. Nehr: „Hat man viel Arbeit, will man es schneller haben.“ Außerdem ließ sich seine WBS als gute Gebrauchtmaschine problemlos verkaufen. So lautet dann auch der Rat des Holzbauers: Maschinen sollten nicht länger als zehn Jahre im Betrieb bleiben, weil man dann noch einen vernünftigen Preis erzielen könne und sich in der Zwischenzeit auch die Technik weiterentwickele. Auf die Frage, was man denn machen solle, wenn Pfetten von mehr als 20 cm Höhe zu bearbeiten seien, weil diese weder durch die WBS noch die WBZ direkt zu bearbeiten sind, stellte Nehr die Gegenfrage: Kommt es oft vor? Wenn ja, sei eine größere Maschine die Lösung, wenn nicht, sollte man überlegen, wie das Problem konstruktiv anders gelöst werden kann.

 

Quelle: Holzzentralblatt, Ausgabe 48/ 02.12.2016

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