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Neue Apps machen den Zuschnitt intelligenter, flexibler und effizienter

„Mit dem toolManager beginnt ein neues Zeitalter in der Werkzeugverwaltung"

Ein Artikel des Fachmagazins HOB (agt agile technik verlag gmbh, Teinacher Str. 34, 71634 Ludwigsburg), 09 / 2019. Hier lesen Sie den Artikel auf www.hob-magazin.com.

Mit Smartphone- und Tablet-Apps haben sich Schreiner und Möbelbauer am Arbeitsplatz bisher allenfalls in den Pausen beschäftigt. Doch das ändert sich gerade: Die auf der Ligna 2019 erstmals präsentierten HOMAG Apps toolManager und materialManager starten nun in der beruflichen Praxis durch. Und schon geht die Entwicklung weiter: mit intelliSettings nimmt HOMAG bereits Anlauf für den nächsten großen Sprung.

Die Arbeit des Maschinenbedieners vereinfachen, Abläufe fehlerfrei und effizient gestalten – das sind die Ziele von HOMAG Plattenaufteiltechnik. Dafür gibt es nun gleich zwei neue Apps. Mit dem toolManager bietet HOMAG in Kürze erstmals eine App für die intelligente Verwaltung von Sägeblättern an. Die App nutzt tapio – das digitale Ökosystem der Holzbranche. Der Vorteil: Viele Sägeblatthersteller sind bereits tapio-Partner, haben ihre Werkzeugdaten in tapio hinterlegt und teilen diese mit HOMAG. Mit dem toolManager rufen Kunden diese Informationen nun bequem und mobil ab. Das funktioniert ganz einfach: Der Anwender scannt mit der Kamera seines Mobilgeräts nur noch den Barcode auf der Werkzeugverpackung ein oder wählt das gewünschte Tool direkt in der App aus. Schon hat er alle Angaben parat und kann diese per Fingertipp an seine tapio-ready-Säge von HOMAG schicken. Manuelle Eingaben sind zwar weiterhin möglich, aber nur noch selten nötig. Dies minimiert die Fehlerquellen erheblich. Und die Sägeblätter sind erst der Anfang. In naher Zukunft wird es möglich sein, mit dem toolManager viele weitere Werkzeuge für HOMAG Maschinen zentral zu verwalten.

Sämtliche Materialdaten in einer App

Wer Plattenmaterialien verarbeitet, weiß: Den Überblick über die schnell wachsende Anzahl an Arten, Dekoren, Größen und Dicken zu behalten, ist eine riesige Herausforderung. Intelligente Lösungen sind daher dringend gesucht. Schließlich müssen Maschinen in der Fertigung für jedes Material richtig eingestellt werden. Dafür sind oft etliche Parameter zu beachten. Mit dem HOMAG materialManager haben die Anwender diese Vielfalt in Kürze leicht im Griff. Die App funktioniert ähnlich wie der toolManager. Anwender bündeln in der App alle Informationen über ihre Plattenmaterialien an einem Ort. Jederzeit abrufbar. Einfach und mobil – via tapio. Der Kunde kann Angaben zu Materialklassen und deren Eigenschaften speichern – beispielsweise zu Gewicht, Abmessung und Geometrie, Hersteller und Preis sowie betriebseigenen Materialcodes.
Der Vorteil für Anwender: Beide Apps erhöhen die Transparenz im Betrieb, sparen Zeit und Wege. Denn mit ihnen steckt der Anwender wichtige Bürofunktionen quasi in die Hosentasche und hat sie überall dabei. Ganz gleich, ob er im Lager steht, an der Maschine oder im Pausenraum: Mit den Apps auf Tablet oder Smartphone kann er die benötigten Informationen direkt per Fingertipp übernehmen und andere Anwendungen können darauf zugreifen.

Nächste Automatisierungsstufe im Zuschnitt

Während die oben vorgestellten Apps mit großen Schritten in der Praxis ankommen, arbeitet HOMAG schon an der nächsten Innovation: intelliSettings wird sie heißen und die Informationen aus toolManager und materialManager direkt mit der Säge verknüpfen. Dadurch wird sich die Säge schon bald von allein für den nächsten Zuschnitt einstellen können. Das macht die Fertigung künftig noch effizienter, flexibler und kostengünstiger.

Wie kommen die Werkzeugdaten in den neuen toolManager von HOMAG? Wird alles standardisiert oder können Anwender die App auch mit individuellen Vorgaben füttern? Und was passiert eigentlich, wenn die App mal keinen Netzzugang hat? Über diese und andere Fragen sprach die HOB Redaktion mit Arne Mömesheim, dem verantwortlichen Produktmanager bei der HOMAG Plattenaufteiltechnik GmbH.

Herr Mömesheim, der toolManager ist eine App zur Verwaltung von Werkzeugen. An wen richtet sich dieses Angebot? Arne Mömesheim: Den toolManager haben wir für Kunden entwickelt, die sich ein professionelles Werkzeugdatenmanagement wünschen – nicht maschinenbezogen, sondern unternehmensweit.

Für welche Werkzeuge ist der toolManager konzipiert? Aktuell gibt es den toolManager für Sägeblätter. Weitere Werkzeuge werden folgen. Bohrer, Fräser und Ziehklingen zum Beispiel, denn in den nächsten Ausbaustufen kommen Werkzeuge für die Kantenbearbeitung und CNC-Maschinen hinzu.

Welche Vorteile bringt der toolManager den Anwendern? Mit dem toolManager beginnt ein neues Zeitalter in der Werkzeugverwaltung. Anwender bekommen damit quasi schlüsselfertig eine zentrale Stelle für ihre Werkzeugdaten. Diese können wie gewohnt von Hand eingegeben und gepflegt werden. Ihr volles Potenzial entfaltet die App, wenn der Werkzeughersteller auch tapio-Partner ist und die Daten für seine Werkzeuge bereits in tapio gespeichert hat. Dann kann der Anwender die benötigten Informationen einfach übernehmen, überall mobil abrufen und an seine HOMAG Maschine senden – aktuell an alle HOMAG Sägen, die tapio-ready sind. Das spart jede Menge Zeit und vermeidet Fehler.

Wie läuft die Arbeit mit dem toolManager in der Praxis ab? Beispiel Sägeblätter: Ist der Hersteller ein tapio-Partner, wählt der Kunde im tapio-Datenstamm einfach das gewünschte Sägeblatt aus – oder er scannt
den auf dem Werkzeug angebrachten Barcode ein. Die App zeigt das Sägeblatt dann sofort an und kopiert die Werkzeugdaten auf Wunsch in den Account des Kunden. Zur Verfügung stehen die Daten, sobald das Werkzeug in eine ebenfalls registrierte tapio-ready-Maschine eingesetzt wird. Praktisch ist: Die App registriert alle werkzeugbezogenen Maschinenaktivitäten und zeichnet diese auf, darunter die Schnittmeter, Anzahl der Schnitte bis hin zum zerspanten Materialvolumen. Das gibt es nur von HOMAG. Noch ein Vorteil: Der Anwender kann individuelle Verschleißgrenzen definieren und somit vorgeben, wann ein Werkzeug zum Schärfen muss. Kommt das Werkzeug zurück, beginnt die Aufzeichnung bei null. Dabei bleiben die Anzahl der Schärfzyklen und die materialbezogene Schnittleistung eines Sägeblatts in der Werkzeughistorie jederzeit nachvollziehbar.

Welche Voraussetzungen müssen die Säge und die Sägensteuerung CADmatic erfüllen? Der toolManager funktioniert ausschließlich mit Maschinen, die tapio-ready sind. Voraussetzung für den Datenaustausch über tapio ist, dass die Säge mit tapio verbunden und registriert ist. Dies ist auf Wunsch bei fast allen HOMAG Sägen möglich, die seit der Ligna 2017 verkauft wurden.

Welche Sägeblattparameter sind in tapio hinterlegt? Jeder Sägeblatthersteller, der tapio-Partner ist, hat alle für die Anwendung notwendigen Daten hinterlegt. Dazu gehören die Stammblattstärke, geeignete  Werkstoffe, Drehzahlen und Vorschübe, die Anzahl der Zähne, die Zahnform und Ähnliches mehr. Übrigens: Kommt das Sägeblatt vom Schärfen zurück, gibt der Anwender die neue Sägeblattstärke als Schnittbreite direkt und einfach in den toolManager ein. Fertig.

Können Anwender den toolManager auch nutzen, wenn sie Werkzeuge von nicht tapio-Partnern einsetzen? Ja, das ist zwar nicht ganz so komfortabel, aber selbstverständlich jederzeit möglich. Der Kunde gibt die herstellerseitigen Werkzeugdaten dafür einfach von Hand ein. Anschließend kann er die App wie gewohnt nutzen und profitiert von allen Vorteilen.

Lässt sich die Sägeblattverwaltung im toolManager individuell gestalten? Ja, Anwender können beispielsweise jedem Sägeblatt eine individuelle Bezeichnung geben – etwa zur Kennzeichnung des Einsatzbe-
reiches ,für Kunststoff‘. Zudem kann der Kunde Werkzeugpaare bilden. Nützlich ist dies, wenn Haupt- und Vorritzer paarweise eingesetzt werden. In diesen Fällen kann der Kunde vorgeben, dass beide Sägeblätter stets paarweise getauscht werden sollen. Darüber hinaus setzen wir aktuell weitere Anforderungen und Ideen unserer Kunden um und werden dies auch in Zukunft tun.

Wie und wo werden die Daten gespeichert und verwaltet? tapio speichert die Daten. Um maximale Verfügbarkeit zu gewährleisten, erhält die registrierte HOMAG Maschine parallel eine Kopie des Datensatzes vom aktuell eingesetzten Werkzeug. So ist sichergestellt, dass die Säge auch bei fehlender Verbindung zu tapio korrekt und effizient arbeitet.

Welche Vorteile bietet ein cloudbasiertes Werkzeugverwaltungssystem? Nutzer haben die Daten via tapio online an jedem Ort und zu jeder Zeit verfügbar. Ein Blick aufs Smartphone oder Tablet reicht – schon
ist klar, wo oder ob ein Werkzeug überhaupt vorhanden ist. Aufwendiges Suchen entfällt. Der Anwender muss manuell keine Daten mehr einpflegen. Alle Informationen sind stets aktuell. Gibt es werksseitige Änderungen, speist der Hersteller die neuen Daten direkt ein. Das alles spart Zeit, Arbeitskraft und Geld. Hinzu kommen weitere Vorteile. So werden durch einmaliges Definieren individueller Verschleißdaten auch die Schärf- und Wechselzyklen besser planbar und sind nicht mehr länger allein dem Maschinenbediener und seiner erfahrungsbasierten Einschätzung überlassen.

Eine letzte Frage: Softwaresysteme werden dynamisch entwickelt, wohin geht die Reise beim toolManager? In einem nächsten Schritt werden wir Werkzeuge für weitere Technologien einbinden, zum Beispiel für die CNC- und Kantenbearbeitung. Zudem haben wir mit dem materialManager bereits eine Lösung für das cloudbasierte Verwalten von Plattenmaterialien entwickelt. Wenn wir beide Apps miteinander verknüpfen und beispielsweise Werkzeugempfehlungen für das Bearbeiten bestimmter Materialien auf einer registrierten Maschine geben, eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten. Die Maschine wird sich damit künftig vollautomatisch einstellen können. Diese Kombination von Werkzeug-, Material- und Maschinendaten nennen wir intelliSettings – eine Idee, die in Kürze Marktreife erlangen wird. In fernerer Zukunft sind weitere Szenarien denkbar. So könnten etwa kundenbezogene Maschinen- und Bearbeitungsdaten in eine Cloud zurückgespiegelt werden – selbstverständlich anonymisiert und nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Anwender. Dadurch entstünde ein riesiger Pool an Erfahrungsdaten. Auf diesen könnten alle Anwender zugreifen und so eine nochmals verbesserte Datengrundlage für individuelle Bearbeitungen erhalten. Beispiel: Anstatt lange auszuprobieren, mit welchem Sägeblatt und bei welcher Drehzahl sich ein bestimmtes Plattenmaterial am besten aufteilen lässt, würden Anwender dieses Wissen künftig einfach aus der Cloud ziehen. Unsere Entwickler arbeiten gerade intensiv daran, die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen.

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