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Ein Leben für die Plattenaufteiltechnik – Walter Visel geht in den Ruhestand

Plattenaufteiltechnik: Verabschiedung von Geschäftsführer Walter Visel

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    Branislava Brljic, Assistentin der Geschäftsführung, Wolfgang Augsten, Leiter der Business Unit Plattenaufteiltechnik, und Rudolf Sörgel, Montageleiter, mit Walter Visel und Betriebsrat Armin Auer (v. li.)

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    Stabübergabe: Jens Held (li) tritt die Nachfolge von Walter Visel (re) am Standort Holzbronn an.

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    Volles Haus bei der Abschiedsfeier im Werk Holzbronn.

Vom Maschinenschlosser zum international geschätzten Produktionsstrategen, Geschäftsführer und Verwaltungsratsvorsitzenden: Was nach amerikanischem Traum klingt, skizziert die durch und durch schwäbische Karriere von Walter Visel. Der langjährige Geschäftsführer am Sägenstandort Holzbronn geht nach 41 Jahren Betriebszugehörigkeit in den Ruhestand. Zahlreiche Mitarbeiter und Wegbegleiter würdigten die Leistungen Visels bei der feierlichen Verabschiedung im Januar – mit rauschendem Beifall und vielen Emotionen. Ein Rück- und Ausblick.

Kaum einer kennt den HOMAG Standort Holzbronn besser als Walter Visel. Er hat die Geschicke der hier ansässigen Plattenaufteiltechnik über mehr als vier Jahrzehnte mitgeprägt. „Als ich hier 1977 in das Vorgängerunternehmen HOLZMA eintrat, steckte die Firma fast noch in den Kinderschuhen und zählte gerade mal 60 Mitarbeiter“, berichtet Visel.

Inzwischen wurde aus HOLZMA das Unternehmen HOMAG und ist Weltmarktführer für horizontale Plattenaufteiltechnik. Die meisten Sägen werden nach wie vor in Holzbronn entwickelt und gebaut. Ein zweiter großer Standort ist das Werk bei Barcelona. Auch dieses gestaltete Visel als Verwaltungsratsvorsitzender ab 2005 maßgeblich mit. Dabei war er in seinem Handeln und Entscheiden bis zuletzt überaus erfolgreich.

Dies betonte auch Wolfgang Augsten, Leiter der HOMAG Business Unit Plattenaufteiltechnik, in seiner Laudatio: „Sie, Herr Visel, sind einer der Hauptgründe dafür, dass unsere Werke in Holzbronn und Barcelona so gut wie noch nie in der Firmengeschichte dastehen. Mehr noch: Sie haben auch die letzte große Herausforderung Ihres Berufslebens mit Bravour gemeistert und hier in Holzbronn im vergangenen Jahr eine immense Umsatzsteigerung von 30 Prozent ermöglicht – bei gleichzeitiger Verkürzung der Lieferzeiten, hoher Termintreue und Profitabilität!“

Visel ist beharrlich und hat alles von der Pike auf gelernt

Diese herausragende Bilanz eines langen Berufslebens war keineswegs selbstverständlich sondern, im Gegenteil, sehr außergewöhnlich. So startete der heute 63-Jährige sein Berufsleben direkt nach der Hauptschule mit einer Ausbildung zum Maschinenschlosser. Die Lehre absolvierte er von 1969 bis 1973 in Baumwollspinnerei Calw. Damals war der sogenannte zweite Bildungsweg gerade ein großes Thema. Nach zwei Jahren Berufspraxis, so sahen es die neuen Regelungen vor, gab es die Möglichkeit sich weiter zu qualifizieren. „Diese Chance“, sagt Visel, „nutzte ich und machte in Stuttgart meinen Maschinenbautechniker. Abends und am Wochenende machte ich die Fachhochschulreife und parallel zusätzlich die REFA-Ausbildung.“

Visel hatte ein Ziel vor Augen: Er wollte Maschinenbau in Stuttgart studieren – und bekam trotz eines NC von 1,8 die Zusage für einen Studienplatz. „Parallel hatte ich mich auch bei HOLZMA beworben“, blickt Visel zurück und berichtet weiter: „Erst hatte ich von der Firma ewig nichts gehört, dann hieß es plötzlich: >> du sollst morgen beim Jenkner sein<<, dem Firmengründer und damaligen Chef. Der hat mich dann überzeugt, auf das Studium zu verzichten und direkt bei HOLZMA anzufangen. Ich sollte dort eine moderne Arbeitsvorbereitung aufbauen und die Produktion strukturieren. Das war eine einmalige Chance, da habe ich zugesagt.“

Ein Praktiker durch und durch

EDV und IT spielten damals noch keine Rolle, der Betrieb war komplett handwerklich strukturiert. 1979 erhielt HOLZMA dann den ersten Commodore-Computer in der Produktion. Visel nutzte ihn, um Listen und Auswertungen für die Arbeitsplanung und Unternehmenssteuerung zu generieren. Vor allem aber war er von Anfang an immer auch praktisch tätig und hat alle Aufgaben in der Prozesskette noch eigenhändig erledigt. „Für viele Spezialisten in der Arbeitsvorbereitung ist dieses praktische Arbeiten heute unvorstellbar. Ich halte es aber nach wie vor für enorm wichtig: Man muss wissen, was die im Büro theoretisch getroffenen Entscheidungen tatsächlich für die Abläufe in der Praxis bedeuten!“

Diesem selbst formulierten Anspruch ist Walter Visel immer gerecht geworden. Praxisnähe und eine urschwäbische Besonnenheit sind sogar so etwas wie das Markenzeichen von Visel geworden und ein persönliches Rezept, um alle Veränderungen erfolgreich zu meistern. An diesen hat es in all den Jahren nicht gemangelt. Nach der Einführung von durchgängigen EDV-Systemen für die Arbeitsvorbereitung, Materialbereitstellung und Produktionsplanung folgte 1987 mit dem Eintritt von HOLZMA in die HOMAG Group auch die Einführung des HOMAG Group Datensystems und schließlich die Umstellung auf SAP. Visel hat den Wandel in all dieser Zeit aktiv und praxisnah mitgestaltet – zunächst als Leiter der Materialwirtschaft. Ab 2000 dann auch noch als Leiter der Produktion und von 2005 an schließlich als Geschäftsführer der HOLZMA GmbH und als Verwaltungsratsvorsitzender der HOLZMA S.A. in Spanien.

Kurz: Visel hat die Firma vom kleinen, handwerklich organisierten Betrieb maßgeblich mit zu einem industriell organisierten Weltmarktführer im globalen Konzernverbund der HOMAG Group entwickelt. „Ich bin zufrieden und stolz, dass ich mit meinem doch verhältnismäßig einfachen Werdegang so viel umsetzen und leisten konnte – zusammen mit einem tollen Team“, betont Visel. „Wir haben hier in guten wie in schlechten Zeiten immer als Gemeinschaft zusammengestanden. Vielleicht, weil wir als kleines Unternehmen groß geworden sind – denn nur dann entsteht diese ganz besondere Art des Zusammenhalts, die typisch für kleine Betriebe und unseren Standort ist.“

„Nur gemeinsam sind wir stark“

Ende Dezember 2018 hat Walter Visel die Verantwortung an seinen Nachfolger abgegeben, an Jens Held. Der 51-jährige Elektroingenieur kennt die HOMAG Group seit vielen Jahren, unter anderem als gesamtverantwortlicher Geschäftsführer bei HOMAG Automation, und war zuletzt in verschiedenen Management-Positionen in der HOMAG Zentrale in Schopfloch im Einsatz. Seine Pläne für Holzbronn? „Bevor ich beginne Pläne zu schmieden, will ich erst mal zuhören und analysieren. Ich habe zwar Ideen und Vorstellungen, zum Beispiel für eine moderne und lebendige Verbesserungskultur, will und muss aber nichts übereilen, da Walter Visel einen hervorragend aufgestellten Standort übergibt“, betont Held.

„Man darf im Status quo niemals verharren“, lautet die zentrale Botschaft, die Visel seinem Nachfolger mit auf den Weg gibt. „Auf uns kommt ein großer Wandel zu: Globalisierung und Werk müssen sich noch mal drehen – weg von der Serienproduktion hin zu hochtechnisierten Einzelmaschinen mit viel Software. Industrie 4.0 und unsere Inbetriebnahme-Kompetenz werden in diesem Zusammenhang entscheidende Stichworte sein. Um den Wandel zu meistern, müssen die Kollegen die Stärke des Standorts nutzen und dabei den Zusammenhalt als Team zu erhalten und auszubauen – trotz aller Globalisierung. Nur gemeinsam sind wir stark, das sollte meiner Meinung nach die Überschrift sein.“

Mitarbeiter und Management werden Walter Visel sehr vermissen

Um seine eigenen Zukunftspläne macht sich Walter Visel als Mensch, Ehemann, Familienvater und Opa keine Sorgen. „Ich komme aus einer Nebenerwerbslandwirtschaft und werde mich dort ein bisschen betätigen. Das macht mir Spaß, auch weil ich als Kind damit aufgewachsen bin. Sport und Bewegung stehen ebenfalls auf dem Programm. Ich möchte mehr Reisen, Freunde und Verwandte besuchen, das Leben genießen und den Tag frei planen. Mehr Anspruch habe ich nicht – und die Enkel sind ja auch noch da!“

Wenn dann noch Zeit bleibt, wird Walter Visel im Stammwerk der HOMAG Plattenaufteiltechnik ein immer gern gesehener Gast sein. Allen in Erinnerung bleiben wird er ohnehin – und das nicht nur, weil es neben der Erwin-Jenkner-Straße und der Detlef-Jenkner-Straße in der Produktionshalle nun auch einen Walter-Visel-Weg gibt. Dies betonte Augsten in seiner Verabschiedungsrede und endete mit dem Satz: „Ich schätze Ihren Rat, Ihre Loyalität und Ihre Erfahrung bis zum heutigen Tag und werde Sie als kompetente Führungskraft und Ratgeber sehr vermissen.“

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