01.10.2012

Fünfstöckiges Mehrgenerationenhaus in Holzbauweise - Utopie oder berei

Einer der grössten Holzbauten in der Schweiz, gebaut vom Schweizer Traditionsunternehmen KNECHT AG mit Sitz in Oberwil bei Wintherthur-Schaffhausen, setzt neue Maßstäbe. Das Mehrgenerationenhaus hat nicht nur in der Holzbaubranche für großes Aufsehen gesorgt. Es besteht aus zwei markanten, sechsgeschossigen Gebäudeteilen, die im Norden und Süden durch zweigeschossige Baukörper miteinander verbunden sind.

Aufbau eines sozialen Netzwerks auf 15 000 m² Wohnfläche

In Winterthur entsteht ein nachhaltiges Siedlungsprojekt, das jungen und alten Menschen ein komfortables Dach über dem Kopf bieten wird. Seit Baubeginn im Frühjahr 2011 werden auf 5 Etagen insgesamt 164 Wohnungen mit unterschiedlichsten Grundrissen geschaffen. Darüber hinaus werden Gewerberäume und Ateliers, ein Restaurant, Gemeinschaftsräume sowie eine Kindertagesstätte gebaut. Sämtliche Wohneinheiten sind hindernisfrei und rollstuhlgängig konzipiert, was weitere integrative Vorteile mit sich bringen wird. Ziel des ungewöhnlichen Konzepts ist es, einen sozialen Zusammenhalt der Bewohner entstehen zu lassen und Raum für Begegnungen zu schaffen.

Höchste Brand- und Schallschutzstandards

Vom Geschäftsleitungsmitglied und Mitinhaber der Firma KNECHT AG, Herrn Max Knecht, erfahren wir, dass die Bausubstanz des Mehrgenerationenhauses ausschließlich aus giftfreien, nachhaltig produzierten und möglichst regionalen Rohstoffen (Minergie-P-ECO-Zertifikat) besteht. Das Fundament mit Untergeschoss sowie die Treppenhäuser mit Liftschacht sind teilweise in Recyclingbeton ausgeführt.

Alle anderen tragenden Elemente bestehen aus Holz, was dieses Material als Zukunftsträger bestätigt. Das Gebäude weist sehr hohe Schallschutz- und Brandschutzstandards auf. Das heißt, mit dem Baustoff Holz in Kombination mit den richtigen Materialien sind auch die strengsten Vorschriften erfüllbar.

CNC-gesteuerte Elementfertigungsanlage aus Deutschland im Einsatz

Arbeiten und Anpassungen, die früher oft noch auf der Baustelle ausgeführt wurden, werden heute im CAD und anschliessend auf CNC Maschinen ausgeführt, sodass kostenintensive Arbeiten auf der Baustelle zunehmend wegfallen. Die bis zu 3,80 m hohen Elemente für das Mehrgenerationenhaus werden auf einer WEINMANN Anlage, bestehend aus einer Multifunktionsbrücke Profi WMS 150 und mehreren Montagetischen gefertigt. Die umfangreiche Ausstattung der Multifunktionsbrücke ermöglicht, neben der 5-Achs-Massivholzbearbeitung bis 200 mm Plattendicke, ein breites Bearbeitungsspektrum. Einheiten zum Kleben und Schrauben machen die Anlage enorm flexibel. Sonderlängen von bis zu 13 Metern sind mit dem System machbar und selbst 25 Meter lange Elemente können gespannt und bearbeitet werden.

Minergie-P-ECO Standard problemlos geschafft

Aus Brandschutzgründen sind alle Holzelemente außen mit Fermacellplatten verkleidet. Die Wärmedämmung und Energieversorgung sind so gestaltet, dass das Label Minergie-P-ECO erreicht wird. Die Heizenergie und das Warmwasser werden mit Fernwärme aus der Müllverbrennungsanlage und der Strom durch eine auf den Dächern vorhandene Fotovoltaik Anlage erzeugt. Da Volumen in der Größenordnung dieses in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Projekts in der Schweiz wohl bislang einmalig sind, gab es einige Herausforderungen hinsichtlich der Produktion zu bewältigen. Weil die Boden sowie die Wandelemente aus Holz bestehen, musste die Produktion dieser beiden Elementtypen abgestimmt werden, um einen reibungslosen Vollzug der Montage zu gewährleisten. Seit der Installation der WEINMANN Anlage gestaltet sich die Produktion des für seine Innovation bekannten Unternehmens deutlich flexibler. Sämtliche Daten von Architekten und Ingenieuren können in jedem Stadium übernommen, weiter bearbeitet und an die Maschinensteuerung übergeben werden. Das Gleiche gilt übrigens für die Zusammenarbeit mit kleineren Holzbauunternehmen. Die KNECHT AG, spezialisiert auf energieeffizientes und ökologisches Bauen, verfügt über ein eigenes Architekturbüro und tritt auch als Generalunternehmer auf.

Kein Ende des Holzbau-Booms in Sicht

Normalerweise beschäftigt das Unternehmen, das auf eine fast einhundertjährige Firmengeschichte zurückblickt, rund 60 festangestellte Mitarbeiter. Wegen des gegenwärtig extrem hohen Auftragsvolumens mussten jedoch eine erhebliche Anzahl zusätzlicher Arbeitskräfte hinzugezogen werden. Nach Einschätzung von Herrn Knecht wird sich der momentane Boom im Holzelementbereich auf lange Zeit fortsetzen, wenn nicht sogar beschleunigen! Zum einen stellt die schnelle und hochpräzise Holzrahmenbauweise einen massiven Vorteil gegenüber dem konventionellen Hausbau dar und zum anderen können auch bei schwierigen baulichen Gegebenheiten, wie sie sich beispielsweise bei der Aufstockung von bestehenden Gebäuden mit beschränkter statischer Belastbarkeit ergeben, passende und hochgradig ökonomische Lösungen gefunden werden.

Kapazitätssteigerung um Faktor 2

Herr Knecht berichtete außerdem, dass die Forderungen der Kunden bezüglich der Rentabilität von Liegenschaften in jüngster Zeit immer mehr zugenommen haben. Die Erstellungskosten sowie Bauzeiten sollen möglichst niedrig gehalten werden. Diesen Marktanforderungen kann seiner Meinung nach nur durch Anwendung automatisierter und somit hochpräziser Fertigungsmethoden entsprochen werden.

Seit Installation der Element-Fertigungsanlage wird bei der KNECHT AG das gleiche Elementvolumen in annähernd der halben Zeit produziert, gemessen an der aufgewendeten Arbeitszeit eines jeden Mitarbeiters.

 

Quelle: Innovation 05/2012

 

 

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