24.07.2014

Es wurde nicht alles automatisiert

Sie ist imposant die WEINMANN Elementfertigungsanlage der Firma Strüby Holzbau AG. Es handelt sich um eine der größten und leistungsfähigsten Elementfertigungsanlagen der Schweiz, die mit knapp 70 Metern Länge aufwarten kann.

Sie besteht aus sieben verketteten Elementtischen plus einer Multifunktionsbrücke WEINMANN WMS 150 mit diversen Nagel-, Klammer- und Bearbeitungsaggregaten. Auf der Anlage werden alle Arten von flächigen Bauteilen hergestellt, also Ständerbau, Plattenbau, Massivholzplatten und so weiter. Bei unserem Besuch interessierte die Herstellung von ganzen Wandteilen. Diese Herstellung erfolgt auf der WMS 150 ganz in der wettergeschützten Produktionshalle, wo die Dämmung eingebracht wird, die Fenster montiert werden und die Fassade befestigt wird. So werden die Teile auf die Baustelle angeliefert. Zuerst werden dazu bei der Herstellung die Rahmen aufgelegt, ausgerichtet und gespannt, auf dem zweiten Tisch wird dann die erste Plattenlage aufgelegt, danach fährt die Brücke über das Element und bearbeitet mit den sich darauf befindlichen Aggregaten die Beplankung. Die Teile werden immer wieder gespannt und gerichtet, damit die Präzision gewährleistet bleibt. Die Stellen, in denen Nägel eingeschlagen werden, sind genau definiert, das Benageln bleibt auch beim 50. Nagel sehr präzise – beim Menschen wäre dies unter Umständen nicht mehr der Fall. Dank dem hohen Vorfertigungsgrad erfolgt die Fertigung der kompletten Wandteile wirtschaftlich. Walter Furrer, Mitglied der Geschäftsleitung der Strüby Holzbau AG und Leiter Produktion, erläutert: „Ein Holzbauunternehmen unserer Größe hat nicht die anderen Holzbauunternehmen zur Konkurrenz, sondern steht im Preiskampf mit dem Massivbau. Durch eine gezielte Automatisation versuchen wir, die Kosten herunterzufahren, damit sie mit denen des Massivbaus vergleichbar werden.“

Furrer räumt ein, dass die Anschaffung der Elementfertigungsanlage im Jahre 2012 bei der Belegschaft anfänglich Ängste geschürt habe. „Sie dachten, nun würde alles die Maschine erledigen, und die ausgebildeten und qualifizierten Zimmerleute müssten sich mit Hilfsdiensten beschäftigen. Aber dem ist nicht so, ganz im Gegenteil. Die Anlage führt die monotonen Arbeiten aus. Aber die interessanten Tätigkeiten werden immer noch in Handarbeit erledigt.“ Deswegen stehe heute die Belegschaft ganz klar hinter der Investition. „Die Anschaffung hat sich, das haben die letzten beiden Jahre bewiesen, ganz klar ausbezahlt, die Wirtschaftlichkeit ist gegeben“, resümiert Furrer zufrieden.

Strüby setzt auf Schweizer Holz

Es ist nicht ein Bauchgefühl, sondern das Ergebnis einer genauen Prüfung der Durchlaufzeiten. Dabei hat sich gezeigt, dass die Strüby Holzbau AG mit dem Preisniveau des Muralbaus mithalten kann. Dabei setzt das Unternehmen voll auf Schweizer Holz aus der Region, garantiert neben einer guten Qualität auch Wohngesundheit und eine ausgewiesene Bauökologie. Damit hat die Strüby Holzbau AG neben dem Preis gute Verkaufsargumente auf ihrer Seite. Ein hoher Vorfertigungsgrad, erläutert der Produktionsleiter, spiele im Einfamilienhausbau keine entscheidende Rolle. Aber im mehrgeschossigen Bauen sei er zentral. Die Strüby Holzbau AG tritt in der Regel als Gesamtleistungsanbieter in Funktion, bietet eine Gesamtlösung aus einer Hand. Auch das könne als ein Pluspunkt verbucht werden.

CNC- gesteuert

Die Multifunktionsbrücke WMS 150 von WEINMANN ist CNC ­gesteuert und individuell ausbaubar. Als Allroundtalent kann sie auflegen, abnageln, Klammern befestigen, schrauben, sägen, fräsen, bohren, markieren, beschriften, verleimen und vieles mehr. Neben Wandelementen können auch Dach­ und Deckenelemente gefertigt werden. Die Anlage verfügt über bis zu acht frei verfügbare Aggregatträger. Die Platten werden manuell mit einem Vakuumheber aufgelegt. Pro Tag fertigt die Multifunktionsbrücke in Kooperation mit fünf bis sieben Strüby ­Angestellten eine Wohneinheit, also etwa 300 Quadratmeter. „Wobei die Komplexität des Bauteils bei der Geschwindigkeit natürlich eine Rolle spielt. Einfachere Bauteile werden schneller hergestellt als schwierigere, das versteht sich von selbst. Die 300 Quadratmeter gelten für doppelt beplankte Bauteile.“ Der Zwei­ Schicht­ Betrieb ist zu 100 Prozent ausgelastet.

Minutiöse Logistik

Die leistungsfähigste Anlage nützt nichts, wenn sie, weil etwas fehlt, Teile nicht fertig montieren kann. Der Ressourcenplanung kommt daher eine große Rolle zu. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Bauteile wie Fenster eine lange Lieferfrist aufweisen, im Schnitt sieben Wochen. „Die Ressourcenplanung wird durch ein IT ­Programm überwacht. In der Regel ist die Produktion auf zwei Monate ausgelegt. Wir arbeiten mit drei verschiedenen Statusbezeichnungen. Status 1 ist kurzfristig, also zwei Monate, Status 2 mittelfristig, zwei bis fünf Monate und Status 3 langfristig, alles was darüber ist.“ Die Ressourcenplanung beschäftigt mehrere Angestellte, dass sei unumgänglich, wolle man die Produktion am Laufen halten, meint Furrer. Abgeklärt werde, wann welches Projekt hergestellt würde, wann welche Teile geliefert werden und so weiter. Geklärt werden musste auch, wie die Teile wie Dämmstoffe in die Produktionshalle angeliefert und wie sie dort aufbewahrt werden. „Es braucht rund um die Anlage Platz, sonst kann man die Möglichkeiten der Anlage nicht voll ausnutzen, weil man ständig mit dem Material improvisieren muss“, hat Furrer festgestellt. Das ist bei der Strüby Holzbau nicht der Fall. Hier wird alles notwendige Baumaterial rund um die Anlage gelagert. Die Anlieferung etwa des Dämmmaterials erfolgt LKW-weise, das spart weitere Kosten. „Wir können so optimaler einkaufen“, erklärt Furrer.

Interne Qualitätskontrollen

Eine hohe Qualität sei das erklärte Ziel, und dieses werde dank interner Kontrollen erreicht. Dabei spiele auch eine Rolle, meint Furrer, dass der Herstellungsprozess wenige Schnittstellen aufweise, was die Fehlermöglichkeiten mindere. Gearbeitet wird von innen nach außen. Pro Arbeitsstation ist in der Regel ein Mann am Werk. Es nimmt ein Wandelement in Empfang, bearbeitet es oder lässt es bearbeiten und übergibt es dem nächsten Team. Das klappt sehr gut. Damit die Arbeit abwechslungsreich bleibt, wechseln die Teams ab, wer was macht. Dabei bleiben die Abläufe indes immer gleich, damit wird die Fehlerquote heruntergeschraubt. „Das ist ein ganz anderes Vorgehen, als wenn auf der Baustelle Teams aus verschiedenen Berufsgruppen und von verschiedenen Firmen eine Wand hochziehen, dämmen, die Fassade und die Fenster anbringen. Dort gibt es viel mehr Möglichkeiten, Fehler zu machen, auch weil die Zahl der Schnittstellen grösser ist“, gibt Furrer zu bedenken.

Fertig montierte Fenster

Auch die Fenster und Storen werden in der Produktionshalle fertig montiert. Bei den Fenstern gelangt mit Siga Corvum ein vorgefaltetes Hochleistungsband mit extrem starker Klebkraft zum Einsatz. Dabei gelingt ein luftdichter Verschluss an allen Ecken. Was nicht nur die Geschäftsführung der Strüby Holzbau AG freut, sondern auch die Angestellten: Dank der neuen Elementfertigungsanlage ist die Arbeitssicherheit gestiegen, etwa weil dank der Schmetterlingstische Wendungen keinen Arbeitskran brauchen.

Neu ein Industriebtrieb

Was hat sich seit der Inbetriebnahme der Elementfertigungsanlage von WEINMANN geändert? Furrer erläutert, man sei heute ganz klar nicht mehr ein Zimmerei-, sondern ein Industriebetrieb. Diese Entwicklung habe allerdings schon vor der Anschaffung eingesetzt. „Vor 20 Jahren beschäftigten wir 20 Leute, heute zählt die Strüby Holzbau AG 200 Angestellte. Das bringt es mit sich, dass Abläufe immer wieder neu überdacht werden müssen. Zudem beschäftigen wir heute viele Spezialisten, insgesamt sind aktuell 21 Berufsgruppen angestellt vom Holzbauplaner über den Projektentwickler, von den Buchhaltungsspezialisten bis zu den Zimmerleuten, die für die Holzbauproduktion und die Montage zuständig sind.“ Das Überdenken der Abläufe erfolge immer unter dem Gesichtspunkt der japanischen Philosophie Kaizen, es gehe also um eine permanente Verbesserung. Dabei würden die Angestellten mit einbezogen. Kaizen beinhalte auch die Einführung eines Qualitätsmanagements, was bei der Strüby Holzbau AG erfolgt ist. Das gelte ebenfalls für die Anwendung der Elementfertigungsanlage. „So eine Anlage weckt zahlreiche Wünsche. Ob das in einem konkreten Fall Sinn macht, muss unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit immer wieder überprüft werden. Eine Automatisierung bedeutet nicht automatisch, dass die Herstellung günstiger wird“, stellt Furrer klar. Die Organisation rund um die Anlage sei entscheidend. In der Regel führe man mit der WEINMANN WMS 150 ganz einfache oder aber sehr komplizierte Bearbeitungen aus. Ausschlaggebend sei dabei, was die Maschine könne. Die schon erwähnte Logistik müsse sich nach der Maschine richten.

„Total happy“

Seit zwei Jahren ist die Multifunktionsbrücke WMS 150 bei der Strüby Holzbau AG im Einsatz, und das Fazit von Furrer fällt sehr positiv aus. „Wir sind mit dieser Anlage total happy. Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt.“ Man habe bei der Evaluation die Firma WEINMANN ausgewählt, weil man das Unternehmen auf diesem Bereich der Holzbau-Produktionsanlagen für führend halte. Positiv erstaunt hat Furrer, dass die Anlage vom ersten Tag an perfekt gelaufen ist. „In der Regel rechnet man mit einer Einführungszeit, bei der die Abläufe justiert und optimiert werden müssen, bei der sich die Mitarbeitenden an die Anlage herantasten. Eine Zeit also, in der die Produktion nicht optimal läuft. Erfahrungsgemäß  dauern diese Zeiten in der Regel länger, als erhofft. Bei der WEINMANN WMS 150 war das nicht der Fall. Die Maschine lief immer auf einem hohen Niveau, auch wenn anfänglich vielleicht nicht alle Mitarbeitenden die Maschine voll verstanden haben.“ Wichtig war für Furrer, dass die Verantwortlichen der Strüby Holzbau AG mit den Verantwortlichen von WEINMANN stets auf der gleichen Augenhöhe diskutieren konnten. „Sie schauten über den Tellerrand“, so Furrer. Zwar sei die Investition für die Strüby Holzbau AG sehr hoch gewesen, „aber man hat einen Weg gefunden, mit dem beide leben können.“ Dazu passt, dass zwar ein Vertrag ausformuliert wurde, „aber diesen hätte es schlussendlich nicht gebraucht. Wir haben alles mündlich geregelt und haben uns dann an unser Wort gehalten.“ Profitiert habe die Strüby Holzbau AG davon, dass WEINMANN weltweit Holzbauunternehmen ausrüstet. „Wir haben ja unseren Produktionsstandort verlegt und neu in Root aufgebaut. Dabei gaben uns die Verantwortlichen von WEINMANN immer wieder wertvolle Inputs.“ Der Umzug bedeutete, dass einige Angestellte neu einen viel längeren Arbeitsweg haben. „Aber trotzdem hat keiner gekündigt, auch wenn unsere Leute anderswo problemlos Stellen finden würden. Das hängt mit der Anlage zusammen, unsere Angestellten sind mit der WEINMANN WMS 150 sehr zufrieden“, sagt Furrer, „die härtesten Kritiker der Investition sind mittlerweile die größten Fans. Weil sie die monotonen Arbeiten an die Anlage abgeben konnten.“

„Flexibilität ist wichtig“

Trotz dieser Begeisterung würde Furrer nie sagen, die beste Lösung für Holzbaubetriebe sei es, in möglichst effiziente Anlagen zu investieren. „Es stellt sich die Schwierigkeit herauszufinden, in welche Richtung sich der Holzbau in den nächsten Jahren bewegen wird. Deswegen haben wir uns für eine Anlage entschieden, die uns eine möglichst große Flexibilität bietet. Viele Anbieter fokussieren sich auf ein Bausystem, bei dem sie die schwierigsten Bearbeitungen schnell und vollautomatisch ausführen können. Mit unserer WMS 150 können wir verschiedene Bausysteme herstellen.“ Furrer gibt diesbezüglich zu bedenken, dass seiner Ansicht nach Firmen, die auf eine Vollautomatisation gesetzt hätten, oft in Konkurs gegangen seien. „Demjenigen, der eine von uns erstellte Wohnung kauft, ist es schlussendlich egal, welche Anlage bei deren Herstellung mitgeholfen hat oder ob alles im Handwerk erstellt  wurde. Für ihn müssen die Qualität und der Preis stimmen“, sagt Furrer. Seine Philosophie ist es, auf ein modulares Bausystem zu setzen, bei dem die Details zwecks Qualitätssicherung klar definiert sind. Dabei macht die Strüby Holzbau AG nicht alles selber. Man kauft Schweizer Holz, lässt es in der Region einschneiden und daraus in der Schweiz Leimholzherstellen. „Im Ausland würden wir für diese Produkte zwar günstigere Preise bekommen, aber das entspricht trotz allem Kostendruck nicht unserer Philosophie“, hält Furrer fest, „außerdem garantieren Schweizer Hersteller im Gegensatz zu ausländischen im Bedarfsfall schnelle Lieferungen.“

SUSANNA VANEK

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