Ökologische Produktion - Nachhaltigkeit konsequent umgesetzt
Vert hat großes Interesse an der Durchgängigkeit der Prozessketten, ausgehend vom selbstgeschlagenen Holz bis hin zu den fertigen Produkten.
Bei allen Vorhaben wird großer Wert auf die Erhaltung der Umwelt gelegt:
- Wiederaufforstung der Wälder
- Die in den Fertigungsprozessen freiwerdende Energie wird selbst genutzt. Dies trifft auch für den erzeugten Strom zu
- Zusätzlich zum Primärwerkstoff Holz wird auch Altpapier in den großen Städten eingesammelt und für die Papierherstellung wieder verwendet
Vor einigen Jahren reifte die Idee, die aus dem Werkstoff Holz hergestellten Materialien weiter zu verarbeiten und daraus eine "grüne Türe" zu produzieren, was sich auch im Produktnamen widerspiegelt. Mit Unterstützung eines chilenischen Herstellers wurde die Türenfertigung mit Kleinmaschinen begonnen. Schon bald stellte sich heraus, dass damit nicht genügend selbst hergestellte Rohstoffe Verwendung finden und dies auch nicht den Vorstellungen von Vert "einer bedeutenden Produktion" entspricht. Dies führte zur Überlegung, ein industrielles Türenwerk nach europäischem Vorbild aufzubauen. Potenzielle Lieferanten wurden angefragt.
Nach mehreren Gesprächen fiel die Entscheidung auf die HOMAG Group als Gesamtlieferanten für die Einrichtung zur Türblattherstellung und -bearbeitung. Dabei spielte die Erfahrung und das Knowhow von HOMAG Engineering eine entscheidende Rolle.
Leistungsanforderungen
Die Fertigungseinrichtung musste so konzipiert werden, dass mittelfristig eine ca. 50-60 %-ige Leistungserhöhung durch eine bereits in der ersten Phase geplante, überschaubare Aufrüstung möglich ist. Während in den nächsten Jahren ca. 20.000 Türen pro Monat produziert werden, sollen in der Ausbaustufe im Zweischichtbetrieb ca. 60.000 Türen pro Monat erreicht werden können. In den Anforderungen ist eine schlanke Produktion mit überschaubarem Personaleinsatz als wesentliche Voraussetzung festgelegt.
Für die Herstellung der Türblätter werden die selbst produzierte Papierwabe neben Streifeneinlagen, selbst hergestellte Holzriegel sowie zugekaufte MDF/HDF Decks verwendet. Der Einsatz von Röhrenspan ist in der Überlegung. Es sind Stumpftüren zu produzieren, die in Südamerika weit verbreitet sind. Bei einem gewissen Anteil der Türen soll die Oberfläche durch Applikationen aufgelockert werden. Über 50 % der Türen werden lackiert, der Rest teilt sich auf in Papierfolie und Furnier. Schlosskasten und Lappenbänder sind dem europäischen Standard angepasst. Hauptanteil der Produktion sind bereits im Inland verkaufte Türblätter.
Projektierung und Realisierung der maschinellen Einrichtung
Durch eine neue, großflächige Produktionshalle konnte die Projektierung der Fertigung unter Materialflussgesichtspunkten optimal durchgeführt werden. Auch ist der Platz für die zukünftige, mittelfristig geplante Leistungssteigerung vorhanden.
Auf einer Druckbalkensäge HOLZMA HPL 380 werden die notwendigen Teile wie Decks, Rahmenteile und Einlagen zugeschnitten. In der Mittellagenfertigung werden diese Teile zusammengesetzt, die Papierwabe eingelegt und mit den Decks zusammen in einer 10 Etagenpresse zum Türrohling verpresst. Diese werden nach Abkühlung in einem Igelpuffer und Weitertransport zur nächsten Bearbeitungsstation abgestapelt.
Der nächste Bearbeitungsschritt ist die vierseitige Kantenbearbeitung, die aufgrund noch erfreulich großer Losgrößen in doppelseitigen Maschinen durchgeführt werden kann. Die Kantenlinie besteht aus einer HOMAG Kantenanleimmaschine KFL 525 und einem HOMAG Doppelendprofiler FPL 526. Nach der Vierpunktausrichtung durchlaufen die Türblätter die Formatbearbeitung, Kantenverleimung sowohl mit Furnierstreifen wie auch Rollenmaterial und anschließender Nachbearbeitung für die Längskanten. Nach der 90°-Drehung wird ein gleicher Art und Weise die 2. Kantenbearbeitungsmaschine durchlaufen. Als Besonderheit wird die formatbearbeitete Schwellenseite lackiert, damit keine Feuchtigkeit ins Türblatt eindringen kann. In einer in U-Form aufgebauten Lackierlinie mit Flächenschliff wird die Finishbearbeitung für alle lackierten Türen vorgenommen. Der Lackzwischenschliff erfolgt auf einer Breitbandschleifmaschine BÜTFERING SWT 735 der HOMAG Group.
Parallel zu dieser Linie ist die Schloss-/Bandbearbeitungslinie bestehend aus einer TORWEGGE SBL 520 aufgebaut. Auf einer Maschinenseite erfolgt die Ausfräsung des Schlosskastens mit Stulp, Drücker- und Schlüsselloch sowie auf der anderen Seite die Ausfräsungen für die drei Lappenbänder. Da nur wenige Schlosskästen bzw. Bänder bereits im Werk montiert werden, erfolgt die Montage auf manuellen Montageplätzen.
Der prozentuale Anteil der Türen mit Glas- oder Füllungsausschnitten ist zurzeit noch niedrig. Deshalb werden diese Bearbeitungen auf einer separat stehenden Oberfräse dem HOMAG BOF 210/60K durchgeführt, die mit tastenden Geräten auch die Applikationen in der Oberfläche ausfräst. Bei einer Zunahme des Anteils von Türblättern mit Ausschnitten wird in der Schloss-/Bandbearbeitungslinie eine separate, leistungsfähige Oberfräse für die Ausschnittbearbeitung mit Durchlauftisch mit nur unwesentlich höheren Taktzeiten als bei der Schloss-/Bandausfräsung vorgesehen, so dass ohne zusätzliches Stapeln und erneutes Beschicken die Ausschnitte in der selben Linie eingebracht werden können.
Die Türzargen werden auf einer TORWEGGE Zargenbearbeitungsanlage ZKR 510 gefertigt. Die Verpackung wird vorerst noch an manuellen Arbeitsplätzen vorgenommen, bis die geplante Produktionssteigerung umgesetzt wird.
Produktionsaufnahme
Alle Maschinen und Anlagenteile sind bereits installiert und die Inbetriebnahme weitgehend abgeschlossen. Die Produktionsaufnahme hat begonnen.
In verschiedenen Gesprächen mit Vert wurden die kundenseitigen Maßnahmen zur Abarbeitung gemäß Terminplan abgestimmt. Parallel zur Inbetriebnahme erfolgte eine umfassende Schulung für Maschinenführer und Vorarbeiter, damit diese auf ihre neue Aufgabe vorbereitet sind. Vert hat hierfür motiviertes Personal ausgewählt.
Der Kunde hat das notwendige Umfeld für die Fertigungseinrichtungen wie auch die Organisation zur Planung und Steuerung der Fertigung zügig vorangebracht. Das gesteckte Ziel ist nur zu erreichen, wenn die drei Faktoren Mensch - Maschine - Umfeld/Organisation sowohl technisch wie auch terminlich aufeinander abgestimmt und umgesetzt werden.
Was spricht für einen GU?
In der industriellen Fertigung ist eine effiziente Nutzung der Leistungsmöglichkeiten von Maschinen und Anlagen eine wesentliche Säule für eine wirtschaftliche Produktion. Hierzu ist eine Abstimmung aller Fertigungseinrichtungen - auch unter dem Gesichtspunkt Materialfluss, Bereitstellung der Hilfsstoffe und der Produktionsdaten - unerlässlich. Für den Investor ist es nachvollziehbar, diese Aufgabe in die Hand eines erfahrenen Planers und Projektierers zu geben, zumal er mit dem Gebäude, dem Umfeld um die Maschinen, Organisation- und Personalaufbau noch genügend Aufgaben hat. Die Vorteile für den Investor bei der Vergabe an einen GU (Generalunternehmer) sind:
- Planung der Fertigung basierend auf der Erfahrung vieler realisierter Anlagen
- Abgestimmte Anlagenteile der gesamten Fertigung auf die gestellten Anforderungen
- Klärung der mechanischen- und steuerungstechnischen Schnittstellen sowie der Leistungsabstimmung
- Einen Verantwortlichen für den gesamten Lieferumfang bis zur vollen Erreichung der garantierten Leistung
- Einen Baustellenleiter für die gesamte Montage, Inbetriebnahme- und Produktionsaufnahme
- Ggf. Unterstützung während der ersten Produktionsmonate durch Servicetechniker oder auch durch einen Produktionsleiter
Der Mehraufwand für die Gesamtverantwortung wird sich sicher schnell amortisieren, wenn die Produktionsaufnahme schneller und effizienter erfolgen kann.
Schlussbetrachtung
Es gibt hauptsächlich außerhalb Europas noch Märkte mit Zuwachsraten an Zimmertüren. Dies veranlasste den brasilianischen Holzwerkstoffkonzern Vert in eine wesentliche Erweiterung einer industriellen Türenproduktion zu investieren. Hierzu wurden die Maschinen und Anlagen mit hohen technischen Standard von einem Gesamtlieferant aus Europa gekauft, um einerseits den wachsenden Personalkosten in Brasilien zu widerstehen und andererseits von der Erfahrung der Europäer - sowohl bezüglich der zur Türenproduktion notwendigen Maschinen als auch über den Fertigungsprozess - selber zu profitieren. Auch wird dem starken Umweltbewusstsein und dem Streben nach menschlichen Arbeitsplätzen von Vert in wesentlichen Punkten Rechnung getragen. Die Kooperation über Kontinente hinweg hat sich bisher dank der gegenseitigen Wertschätzung sehr gut bewährt, so dass bereits die ersten Türen die Fertigung verlassen haben.
Die professionelle und schnelle Abwicklung dieser Bearbeitungslinie zeigt die Vorteile der HOMAG Group: für jeden Bearbeitungsschritt die Kompetenz der Spezialisten (BARGSTEDT, BÜTFERING, HOLZMA, HOMAG und TORWEGGE) und gleichzeitig ein Konzept aus einer Hand von HOMAG Engineering. Für eine spätere schnelle Aftersales-Unterstützung sorgt die eigene Servicegesellschaft in Brasilien.